Warum Anbau von Bio-Baumwolle wichtig ist?

Bio Baumwolle

Bio-Baumwolle wird immer beliebter. Umweltbewusste Konsumenten kennen die Vorteile dieser Naturfasern. Dennoch empfinden viele eine gewissen Skepsis. In einem Atemzug mit (Bio)-Baumwolle nennen sie den hohen Wasserverbrauch beim Anbau von Baumwolle. Ach ja, da war noch etwas mit dem Aralsee! Ich versuche in diesem Beitrag aufgrund meiner Recherchen deutlich zu machen, dass wir uns weniger wegen des Wasserverbrauchs sorgen sollten. Ich gehe der Frage nach, warum wir den Anbau von Bio-Baumwolle unbedingt fördern und fordern sollten.

Was ist Bio-Baumwolle?

Der Anbau von Bio-Baumwolle beruht auf den Säulen der ökologischen Landwirtschaft. Im Einklang mit den Gesetzen der Natur erzielen die Bio-Bauern bessere Erträge und qualitativ hochwertigere Fasern. Die Bodenfruchtbarkeit erhöht sich und die Böden laugen nicht aus. 

Fruchtwechsel und Fruchtfolge

Kulturpflanzen laugen den Boden aus, wenn sie lange an der gleichen Stelle angebaut werden. Unsere Vorfahren haben die Dreifelderwirtschaft entdeckt. Die Biobauern nutzen heute diese Fruchtfolge im jährlichen Wechsel. Der  Fruchtwechsel ermöglicht ihnen zusätzliche Einnahmen. Als Zwischenfrucht im Biobaumwollanbau nutzen sie Mais, Hirse, Reis oder Soja, Sesam und Sonnenblumen sowie Hülsenfrüchte, Chili, Maniok, Kartoffeln und gelbe Rüben.

Bio-Baumwolle – Anbau ohne Pestizide und Herbizide

Der Einsatz von Pestiziden (Schädlingsbekämpfungsmittel) und Herbiziden (Unkrautvernichtungsmittel) zur Bekämpfung von Schädlingen und Unkraut ist im Bioanbau nicht erlaubt.

Um die Plantagen vor dem Befall durch Schädlinge und Krankheiten zu schützen, verwenden die Bauern Alternativen wie Knoblauch, Zwiebeln, Pfefferspray (eine Lösung aus schwarzem Pfeffer und Alkohol) und Neembaumextrakt. Um die Baumwollfelder pflanzen sie Sonnenblumen. Dadurch lenken sie die Schädlinge von den Baumwollfeldern ab. Auch Pheromonfallen und andere (gute) Insekten kommen zum Einsatz im Kampf gegen Schädlinge.

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Bio Baumwolle

Wasserverbrauch

Baumwolle ist eine Pflanze, die für einen hohen Wasserverbrauch bekannt ist.
Das Malvengewächs stammt jedoch aus den Tropen und Subtropen – den Gebieten mit ausreichenden Regenmengen im Jahr. Lediglich in den ersten zwei Monaten ist diese Pflanze durstig – meistens kommt sie mit dem grünen Wasser – dem Regen aus. Für die vollständige Reife und gute Qualität braucht sie viel Sonne und Trockenheit.

Bio-Baumwollplantagen, die sich aktuell in diesen Regionen befinden, kommen deshalb teilweise mit wenig oder sogar ohne künstliche Bewässerung, dem sogenannten blauen Wasser aus. So funktioniert es bei den Vertragspartner der Firma Gebr. Elmer & Zweifel aus Bempflingen, Erfinder der Bio-Marke Cotonea, in Kirgistan und Uganda.

Die Umweltkatastrophe um den Aralsee wird oft im Zusammenhang mit dem Baumwollanbau erwähnt. Die Austrockung eines Teils des Aralsees und Absenkung des Grundwasserspiegels um 20 m hat allerdings mit den gigantischen Projekten der Sowjetunion in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts zu tun. Das Wasser für den Anbau von Gerste, Reis und Baumwolle in der Steppe wurde damals den Zuflüssen des Aralsees entnommen.

Ohne Kunstdünger, chemische Entlaubungsmittel und Gentechnik

Im ökologischen Baumwollanbau sind Kunstdünger und chemische Entlaubungsmittel verboten. Natürliche Düngemittel wie Mist und Kompost  kommen zum Einsatz. 

Die Entlaubungsmittel setzen die Baumwollbauern bei der maschinellen Ernte im konventionellen Anbau ein. Die Bio-Baumwolle ernten die Bauern dagegen von Hand. 

Achtung: In den konventionellen Anbaugebieten in den armen Entwicklungsländern wird die Baumwolle ebenfalls von Hand gepflückt. 

Gentechnisch manipuliertes Saatgut ist auf den Biobaumwollplantagen ebenfalls verboten. Aus einem Teil der Ernte gewinnen die Biobauern die Samen, also kostenlos für das kommende Jahr.

Mehr über die Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft 

Gentechnik und Pestizide – das eigentliche Problem 

Der hohe Wasserverbrauch beim Baumwollanbau generell relativiert sich, wenn wir das eigentliche Problem genauer unter die Lupe nehmen.

Das gentechnisch veränderte Saatgut soll Resistenzen gegen Schädlinge und sonstige Krankheiten bewirken – bei gleichzeitigen Resistenzen gegen die Unkrautvernichtungsmittel. Die Resistenzen wirken allerdings nur gegen eher harmlose Schadinsekten der Baumwolle. Gegen den invasiven Schädlingsbefall der Monokulturen kommen immer neue viel schädlichere Gifte zum Einsatz.

Gleichzeitig hat der Einsatz von Unkrautvernichtungsmittel dazu geführt, dass Unkraut Resistenzen entwickelt hat. 

GMO-Baumwolle (gentechnisch verändert) neigt dazu, die Baumwollkapseln abzuwerfen bevor sie reif sind, was zu totalen Ernteausfällen führen kann. 

In der Summe führt dies zu einer starken Abhängigkeit der Baumwollbauern von den Gentechnik- und Chemiekonzernen. Das GMO-Saatgut, giftige Pestizide und Herbizide werden in einem Paket an die Bauern in den Entwicklungsländern verkauft und führen sie in eine Schuldenfalle. In den Ländern wie Indien und China mit einem gigantischen Wirtschaftswachstum hinkt die Umweltgesetzgebung der Entwicklung hinterher. Dies führt dazu, dass der Einsatz von den gesundheitsschädlichen Giften in diesen Ländern unkontrolliert steigt. Dies belastet die Böden, das Grundwasser und vor allem die Gesundheit der Menschen. Es ist ein globales Problem.

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Bio Baumwolle Fakten

Auf eure Fragen und Anregungen bin ich besonders gespannt!

Eure Alicja

Quellen:

https://www.greenpeace.de/search/type/article/field_topics/Risiken%20der%20Gentechnik-83

http://www.umweltinstitut.org/fragen-und-antworten/bekleidung/bio-baumwolle.html

https://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/mode-etikettenschwindel-mit-bio-baumwolle-ld.15720 

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/schmutzige-baumwolle-sklaven-der-textilindustrie-102.html 

2 Idee über “Warum Anbau von Bio-Baumwolle wichtig ist?

  1. Melanie sagt:

    Eigenmarken von Lidl, Kik, NKD bieten Babykleidung aus sogenannter Biobaumwolle zu sehr niedrigen Preisen an.
    Wenn die Herstellbedingungen so vergleichsweise gut sind, wie du sie beschreibst, müsste Biobaumwolle ja auch mehr kosten. Sind diese Billigangebote denn dann wohl “wirklich” bio?
    Gibt es denn Siegel oder ähnliches, auf die man sich verlassen kann?

    • kapelusch sagt:

      Vielen Dank für dein Kommentar. Du hast das Problem richtig erkannt.
      Wenn du die letzte Grafik anschaust, findest du die Zahlen 1% und 80%. Das dazwischen ist eine Lotterie, wie ich das in einer Dokumentation gehört habe.
      Aus meiner Sicht sind GOTS und IVN die verlässlichen Zertifizierer.
      In den Ländern wie USA und China wird der Anbau von (Bio)Baumwolle stark subventioniert. Daraus ergeben sich die niedrigen Preise bei Lidl – so meine Erklärung.

      In Afrika oder Indien, die ohne Subventionen auskommen müssen, bekommen die Bauern Unterstützung von einigen Firmen oder Stiftungen – wie beispielsweise die Marke Cotonea. Sie sorgen dafür, dass die Farmer gerecht entlohnt werden.

      Der Preis eines (Bio)Kleidungsstücks setzt sich allerdings aus mehreren Faktoren zusammen. Der Preis des Stoffes ist nur eins von vielen.

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